Wer kennt nicht das paranoide Gefühl, dass alles plötzlich juckt, wenn einer in der Familie oder im Freundeskreis, kleine lebende Viecher auf seinem Kopf beherbergt? Asaf hat Läuse.. und zwar jede Menge. Das ist hier grad mein Dauerbrenner. Erst hat es seine Mom beim Haareschneiden entdeckt und einen Tag später die Mutter von drei anderen Kindern im Kindergarten. und (typisch israelisch?) gingen sofort die Wogen hoch: er muss nach Hause, er steckt alle an, aber woher hat er sie denn, wenn nicht vom Kindergarten, pass auf, dass du dich nicht ansteckst, alle Kinder müssen durchgecheckt werden etc.. Ich wusste nicht, dass Läuse so gut Charaktäre von Leuten offenbaren können. Meine ziemlich überarbeitete Gast-Mama hat sich, glaub ich, ziemlich von dem indirekten Vorwurf, nicht gut genug für ihre Kinder zu sorgen, angegriffen gefühlt und zurück geschossen. Ich kann sie allerdings nicht wirklich in Schutz nehmen, da noch längst nicht alle Maßnahmen im Kampf gegen Läuse ergriffen wurden. Aber bin ich da in der Position, ihr Ratschläge zu geben? oder: wie kann ich das machen, ohne dass sie denkt, ich würde ihr in den Rücken fallen?
Die Laus-Tragödie zeigt aber auch so gut, wie die Dinge hier laufen.. Der Papa scheint von dem allen herzlich wenig berührt zu sein, außer, dass er es ungerechtfertigt findet zu fordern, Asaf die Haare kürzer zu schneiden. Er ist in der Defensivhaltung und tut die weißen Punkte in Eitans Haare als Schuppen ab.. Also bleibt es an der Mom hängen, die Kids zu checken, die Haarkur jeden Tag bei Asaf und Ajahl anzuwenden usw.
Zu sehen, wie sie sich ziemlich allein abmüht ist etwas, das mich immer wieder bewegt. Ich versuch ihr zu helfen, und muss doch lernen, dass ich nicht in der Position stehe, etwas an den Strukturen zu ändern. Vielleicht leidet sie unter der vielen Arbeit auch weniger, als ich denke; vielleicht will sie das so? Vielleicht ist Hilfsbereitschaft und eine geteilte Verantwortung für das Familienleben etwas, das mir besonders wichtig ist, sie dagegen gar nicht so sehr vermisst?
Allerdings ist sie für meine Hilfe auch immer wieder dankbar. So kämme ich Asaf hier und da auch mal die Nissen aus den Haaren (wenn er mich lässt..) und sieh dabei zu, dass ich selbst unbeschadet davon komme.
Mich abzugrenzen ist generell etwas, das ich gerade lerne. Am Freitag hat mir Liat, die Kindergärtnerin ziemlich energisch zugeredet, dass ich unbedingt zur Jugend der Gemeinde gehen muss, auch wenn dann der Daddy den Laden allein schmeißen muss, da die Mom arbeitet. Tatsächlich war es von seiten meiner Gasteltern überhaupt kein Problem zu gehen und ich hatte einen wundervollen Abend dort. Seitdem hat es ziemlich geklickt in meinem Kopf, dass ich inmitten der vielen Arbeit auch für mich zu sorgen hab. Ich nutze nun mehr und mehr Gelegenheiten, mich während des Tages in mein Zimmer zurückzuziehen, wenn es grad nichts zu tun gibt; oder auch einfach super strikt und hart "nein" zu den Jungs zu sagen. Ich glaub, es tut uns allen im Endeffekt besser, als um Fassung ringend irgendetwas mit den Jungs anzustellen.
Um meine Fassung ringe ich nämlich so manches Mal. Oftmals sind es nur so "Kleinigkeiten", die mich total aufregen, wie z.B., solche Szenen: Ilanit redet einen der 3 Schuljungs gut zu, seine Hausaufgaben zu machen; sitz neben ihm; steht für Fragen zur Verfügung; versucht es mit Belohnung, mit Strafandrohungen; aber er sitzt einfach nur da und jammert, dass er es nicht könnte. Doch plötzlich tönt ein lauten "Dai!" ("Hör auf!") durch den Raum, allerdings nicht von der Mom, sondern zu ihr. Ich weiß auch nicht, ob ich da zu konservativ bin, aber das ist für mich ein No-Go, was ich mir nicht gefallen lassen wollen würde. Dass es ihr auch nicht gefällt, kann ich mir denken, aber es folgt keine Reaktion darauf..
Das stellt sich dann aber auch als meine Schwierigkeit heraus: da schon die Eltern so behandelt werden, ist es für mich echt schwer, mir meinen Stand zu erobern. oder zu erarbeiten? Ich merk jedenfalls jetzt schon, dass ich das einfach nicht aushalte und für mich klarere Grenzen ziehen muss; wie auch immer diese aussehen mögen.
Also, ich stecke hier tief im Ein-Mal-Eins der Kindererziehung, allerdings auf echt hohem Niveau, da ich die ersten 12 Jahre noch nicht mitbekommen hab.
Und in dem allen gibt es natürlich auch immer wieder schöne Alltags-Highlights, wie zum Beispiel, dass Asaf gestern zum ersten Mal ohne Stützräder Fahrrad gefahren ist =)
Oder mein Sonntagspaziergang durch die Felder rings um mein kleines Dorf hier =) Oder Eitan, wie er ankommt, um Gute Nacht zu sagen oder der morgendliche (allerdings leider etwas erfolglose) Kampf Elad aus dem Bett zu kriegen. Bei der Schlacht um sein Kissen und Bettdecke lachen wir viel zusammen.. nur leider steht er dann trotzdem nicht auf... =P
Oder zu sehen, wie Gott treu ist und finanziell versorgt!
Apropos Gott.. hier kann man viel menschliches sehen und es ist aufschlussreich, es auf die Beziehung zwischen Gott und Mensch zu übertragen:
Vor ein paar Tagen wollte Asaf nicht zum Mittagessen kommen und rannte stattdessen mit einer Schale ungeschälter Sonnenblumenkernen durchs Haus. Im Kopfkino sah ich schon die ausgespukten Schalen überall rumliegen und malte mir aus, welcher Künste es wohl bedarf, ihn zum Tisch zu bekommen. Doch er sprang fröhlich ohne jedes schlechte Gewissen herum und sang dabei "Halleluja" in allen möglichen kreativen Weisen. und ich dachte mir nur "halt den Mund und komm her.. wenn du Gott preisen willst, kannst du es in deinen Taten tun!" Doch wieviel anders Gott doch ist. Wir stellen so viel Mist an und bemerken, geschweige denn bereuen es noch nicht mal, obwohl es unseren Himmlischen Vater verletzt und Mühe macht. Und er ist so gnädig und gewährt uns trotzdem, dass wir ihn preisen dürfen. Dass wir überhaupt seinen Namen in den Mund nehmen dürfen.
und ihn zu loben ist auch einfach nur so ein großes Privileg, das ich jeden Tag genießen möchte. =)
ihr auch?
schalom, eure Rivka
Hey Rebecca,
AntwortenLöschenwegen den Läusen: Rede deiner Gast-Mama gut zu. Läuse sind KEIN Hygienemangel, die fühlen sich auf sauberen Köpfen viel wohler.
http://www.kopflaus.info/laus/laeuse.html
Da steht ein bisschen mehr über Läuse und ihren Lebenszyklus, wenn man es richtig macht, sollte man sie nach ein paar Wochen erfolgreich loswerden.
Ich wünsch dir viel Kraft und Gottes Segen! =)
lg Leandra
P.S.: Du warst mit Gott in NY - if you can make it here, you can make it anywhere! ;)